Früherkennung von Darmkrebs – ein Blick hinter die Kulissen

Shownotes

Darmkrebs ist in der Schweiz die dritthäufigste Krebsart. Jedes Jahr erhalten über 4000 Frauen und Männer die Diagnose. Kaspar Truninger ist Gastroenterologe. Neben seiner Praxistätigkeit engagiert er sich auch für die Forschung im Bereich Darmkrebsfrüherkennung. Denn Darmkrebs ist heilbar, wenn er in einem frühen Stadium entdeckt wird. Die wichtigsten Untersuchungen zur Früherkennung sind die Darmspiegelung und der «Blut-im-Stuhl-Test». In diesem Podcast begleiten wir eine Patientin zu ihrer Darmspiegelung, bei der Kaspar Truninger etwas findet, was er so nicht erwartet hätte. Der Spezialist erklärt zudem, warum ihn die Gastroenterologie jedes Mal wieder aufs Neue begeistert und weshalb es so wichtig ist, Darmspiegelungen in Zukunft noch gezielter anbieten zu können.

Hilfreiches Wissen in dieser Episode zu

  • Darmkrebs
  • Gastroenterologie
  • Magen-Darm-Spezialist
  • Darmspiegelung
  • Blut-im-Stuhl-Test
  • Polyp

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Mehr zu Dr. med. Kaspar Truninger und seinem von der Krebsforschung Schweiz unterstützten Projekt

Mehr zum Podcast «Wissen gegen Krebs»

Hinter jeder Erkrankung steckt eine ganz persönliche, bewegende Geschichte, hinter jedem Forschungsprojekt ein engagierter Mensch, der ein klares Ziel verfolgt. Die Podcast-Serie «Wissen gegen Krebs» bringt diese beiden Pole zusammen: Eine Person mit Krebsdiagnose und ein Vis-à-vis in der Forschung, das alles daransetzt, dass Heilung nach einem Krebsbefall zur Regel wird.

Die Podcast-Serie sendet direkt aus dem trauten Heim, dem Spital, dem Labor oder dem Behandlungszimmer und gibt Einblick in die von der Stiftung Krebsforschung Schweiz unterstützten Projekte.

Jeden Monat wird eine neue Folge veröffentlicht. Hören Sie rein und abonnieren Sie den Podcast

Transkript anzeigen

00:00:00: Ein Podcast der Krebsforschung Schweiz.

00:00:05: Darmkrebs ist in der Schweiz die 3. häufigste Krebsart.

00:00:17: Jedes Jahr bekommen über 4'000 Frauen und Männer

00:00:20: die Diagnose Darmkrebs.

00:00:22: Kaspar Truninger ist Gastroenterologe

00:00:26: oder in der Umgangssprache Magendarm-Spezialist.

00:00:29: In einer Praxis in Langenthal führt er Darmspiegelungen durch.

00:00:33: Er entdeckt hier und da einen Tumor,

00:00:36: über den er eine Patientin oder Patienten informieren muss.

00:00:40: Manchmal muss ich sagen, das ist Darmkrebs

00:00:43: und es ist eine ernste Diagnose.

00:00:45: Es wird nicht um eine Operation herumkommen,

00:00:47: allenfalls gar kombiniert mit Chemotherapie.

00:00:50: Es wird an dem nichts vorbeiführen.

00:00:52: Diesen Gesprächen muss man sich auch stellen.

00:00:54: Manchmal ist es ganz schwierig.

00:00:56: Kaspar Truninger engagiert sich neben seiner Praxis-Tätigkeit

00:00:59: auch in der Forschung.

00:01:01: Denn Darmkrebs ist heilbar,

00:01:03: wenn er in einem früheren Stadium entdeckt wird.

00:01:06: Die Forschung von Kaspar Truninger 

00:01:08: wird von der Stiftung Krebsforschung Schweiz unterstützt.

00:01:12: Das ist Wissen gegen Krebs,

00:01:14: der Podcast der Stiftung Krebsforschung Schweiz.

00:01:17: Ich bin Rebekka Haefeli.

00:01:20: Der Kaspar Truninger empfängt mich in der Praxis

00:01:25: in Langenthal.

00:01:27: Zusammen mit der Patientin Doris S.,

00:01:30: die zu einer Darmspiegelung kommt.

00:01:32: Darmspiegelung ist eine Untersuchung

00:01:34: zur Früherkennung von Darmkrebs.

00:01:37: Doris S. ist nicht zum ersten Mal in der Praxis.

00:01:41: Ich war schon einmal hier,

00:01:43: habe Panik geschoben

00:01:45: und hatte Angst, dass ich irgendetwas merke,

00:01:48: aber überhaupt nichts.

00:01:50: So wie Doris S. geht es vielen Patientinnen und Patienten

00:01:53: vor der ersten Darmspiegelung.

00:01:55: Die Vorstellung, dass einem jemand einen Schlauch

00:01:58: mit einer Kamera einführt, ist schon angenehm.

00:02:01: Manche Leute haben auch Angst vor dem Kontrollverlust,

00:02:04: wenn sie ein Schlafmittel bekommen.

00:02:06: Doris S. hatte den ersten Untersuch herausgezögert,

00:02:10: obwohl sie gewusst hat, dass Vorsorge wichtig wäre.

00:02:14: Nein, es wäre schon,

00:02:16: man wüsste es schon,

00:02:18: aber ich habe es vor allem weggeschoben.

00:02:21: Man weiss nicht genau, was auf einem zu kommt

00:02:24: und denkt, es macht Schmerzen.

00:02:27: Was weiss ich - so unter dem Motto.

00:02:30: Man schiebt es einfach weg.

00:02:32: Dieses Mal ist sie total entspannt.

00:02:34: Dieses Mal habe ich auch nicht Angst,

00:02:36: weil ich weiss, dass ich nichts merke.

00:02:39: Und nachher auch absolut keine Schmerzen.

00:02:42: Der Arzt Kaspar Truninger erklärt mir,

00:02:45: was es für Methoden für die Darmspiegelung gibt.

00:02:48: Nämlich nicht allein die Darmspiegelung,

00:02:51: Es gibt wirklich zwei wichtige Standardmethoden.

00:02:54: Neben der Darmspiegelung ist das der Stuhluntersuch

00:02:57: auf vom Auge nicht sichtbares Blut.

00:03:00: Darmkrebsvorsorge,

00:03:02: der sog. Blut-im-Stuhl-Test oder eine Darmspiegelung,

00:03:05: wird in der Schweiz allen Personen zwischen 50 und 69 empfohlen.

00:03:10: In diesen Fällen zahlt die Grundversicherung

00:03:13: von der Krankenkasse.

00:03:15: Der Blut-im-Stuhl-Test

00:03:19: ist also eine Alternative zur Darmspiegelung.

00:03:23: Man braucht dafür Stuhlproben,

00:03:26: die auf Blut untersucht werden.

00:03:28: Die Proben werden beim Arzt oder in der Apotheke

00:03:31: abgegeben und ausgewertet.

00:03:33: Blut im Stuhl, auch wenn man es von Augen nicht sieht,

00:03:36: kann ein Hinweis auf Darmkrebs oder auf eine Vorstufe,

00:03:40: auf Polypen.

00:03:42: Wenn man in der Probe Blut findet,

00:03:44: wird einem in der Regel eine Darmspiegelung empfohlen.

00:03:47: Von Polypen hört man immer wieder, wenn es um Darmspiegelungen geht.

00:03:55: Nach solchen sucht auch der Kaspar Truninger 

00:03:57: bei den Darmspiegelungen, die er in der Praxis durchführt.

00:04:01: Ein Polyp ist eine Schleimhautwucherung,

00:04:04: die eine Vorstufe von Krebs sein kann.

00:04:07: Sie ist aber nicht zwingend bösartig,

00:04:09: wie Kaspar Truninger erklärt.

00:04:11: Nein, nur eine kleine Minderheit.

00:04:13: Man nimmt an, zwischen 5 und 8 Prozent der Polypen

00:04:16: werden am Schluss zu Krebs und auch das sehr langsam.

00:04:19: Es ist extrem schlecht verständlich,

00:04:21: wieso die grosse Mehrheit der Polypen nicht fortschreitet

00:04:26: und sich Richtung Krebs entwickelt.

00:04:28: Diese Mechanismen sind sehr schlecht verstanden.

00:04:31: Bei der Patientin Doris S.

00:04:35: wurden vor einem halben Jahr schon mal Polypen entfernt.

00:04:39: Die Gewebsanalyse im Labor ergab,

00:04:41: dass sie gutartig waren.

00:04:44: Jetzt ist sie zur Nachuntersuchung hier.

00:04:47: Schon ein paar Tage vorher musste sie aufpassen,

00:04:50: was sie isst und sie musste abführen,

00:04:53: damit der Darm ganz sauber ist.

00:04:56: Die Flüssigkeit, um abzuführen, ist grusig zu trinken.

00:05:00: Das Richtige vorbereitet ist es seit gestern,

00:05:02: also macht man einen Tag vorher.

00:05:04: Dort ist eigentlich das Unangenehme das Getränk, sage ich mal.

00:05:07: Aber sonst, ja, man sitzt halt viel auf dem WC,

00:05:11: aber es ist halt so.

00:05:14: Ja, dann machen wir das jetzt.

00:05:17: Ja, machen wir das jetzt.

00:05:19: Jetzt wird Doris S.

00:05:20: in ein Untersuchungszimmer der Praxis geführt.

00:05:23: Soll ich sie mitnehmen, mein Täschlein?

00:05:25: Ja, nehmen sie das mit.

00:05:27: Während der Darmspiegelung wird sie schlafen.

00:05:29: Sie bekommt intravenös ein Schlafmittel vorabreicht.

00:05:34: * Musik *

00:05:36: Eine Dreiviertelstunde lang dauert die Untersuchung.

00:05:41: weil Kaspar Truninger  etwas gefunden hat,

00:05:44: das er so nicht erwartet hat.

00:05:46: Im Querdarm hatte es zwei grosse Polypen,

00:05:49: einer zwei, einer fünf Zentimeter.

00:05:52: Und die konnten wir jetzt komplett entfernen.

00:05:55: Es war eine grössere Übung, aber es ging gut.

00:05:58: Und die Patientin konnte mir schon sagen,

00:06:00: sie hatte keinen Schmerzen.

00:06:02: Entscheidend für eine erfolgreiche Untersuchung ist,

00:06:05: dass der Patient oder die Patientin

00:06:07: die Vorbereitung zu Hause gewissenhaft durchführt.

00:06:10: Das hat die Patientin wunderbar gemacht.

00:06:12: Der Darm war perfekt vorbereitet.

00:06:14: Dort, wo wir im vergangenen Sommer Polypen abgeschnitten hatten,

00:06:18: hat man die Metallclips gesehen.

00:06:21: Da waren drei von denen noch an Ort und Stelle.

00:06:25: Aber zum Glück ist nichts vom Polypen nachgewachsen

00:06:28: oder kein Rest vom letzten Mal verblieben.

00:06:31: Und dann haben wir Schritt um Schritt

00:06:33: die zwei anderen Polypen jetzt noch komplett entfernt.

00:06:39: Die Forschung konzentriert sich bei Darmkrebs,

00:06:42: unter anderem darauf, die Vorsorge weiter zu verbessern.

00:06:45: Weil je früher man einen Darmkrebs oder eine Vorstufe entdeckt,

00:06:49: desto grösser ist die Chance auf Heilung.

00:06:52: Die Vorsorge verbessern heisst,

00:06:54: Darmspeigelungen gezielt anzubieten.

00:06:58: Eine grosse Option ist natürlich,

00:07:01: wenn man nur diese Leute spiegeln müsste, die wirklich Polypen haben,

00:07:06: wenn man nicht invasiv herausfinden könnte,

00:07:09: ob jemand Polypen hat,

00:07:10: dass man alle die Leute, die keine Polypen haben,

00:07:13: mit Darmspiegelungen verschonen könnte,

00:07:15: dass man einen besseren Blut oder einen besseren Stuhltest herausfindet.

00:07:19: Das wäre natürlich ideal,

00:07:21: dass man vorselektionieren könnte

00:07:24: und nur gezielt untersuchen würde.

00:07:26: Das ist das eine.

00:07:27: Das Zweite ist, wenn man Polypen entfernt hat,

00:07:29: gibt es gewisse Leute, die nach ein paar Jahren wieder Polypen haben.

00:07:33: Andere nicht.

00:07:34: Wieso es zu neuen Polypen kommt,

00:07:37: nur bei einer Subgruppe von Leuten,

00:07:39: das versteht man auch nicht.

00:07:41: Und da gibt es viele Kontrolle, die nichts sind.

00:07:44: Und auch das würde man gerne vermiedern,

00:07:46: dass man nur dort Kontrollen macht,

00:07:48: wo es wirklich neue Polypen gibt.

00:07:50: Da gibt es noch sehr viel im präventiven Bereich,

00:07:53: das man verbessern könnte.

00:07:55: Ein Forschungsgruppe rund um Kaspar Truninger 

00:07:57: will genau das herausfinden.

00:08:00: Und zwar, indem man 

00:08:02: Schleimhautproben

00:08:04: aus dem Darm untersucht.

00:08:06: Wir versuchen molekulare Untersuchungen,

00:08:09: vor allem in der normalen Schleimhaut zu machen.

00:08:11: Das ist unsere Spezialität.

00:08:13: Denn man denkt letztlich fängt alles bei den normalen Schleimhaut an,

00:08:17: dass man dort die Anfälligkeit mit molekularen Analysen besser verstehen kann.

00:08:29: 10 Minuten nach dem Ende der Untersuchung

00:08:32: ist Doris S. schon wieder ziemlich munter.

00:08:35: Sie sitzt vor einer Tasse Kaffee.

00:08:37: Wie ist es für sie gegangen?

00:08:39: Wie das letzte Mal gut. Nichts gemerkt.

00:08:41: Sehr gut. Übelkeit oder so, nichts?

00:08:43: Auch nicht.

00:08:44: Es war ein längerer Untersuch als durchschnittlich,

00:08:47: weil es vor allem ein sehr grosser und ein grosser Polyp hatte.

00:08:51: Sie sahen für mich gut aus von Auge.

00:08:54: Ich konnte sie komplett wegnemen, aber klar,

00:08:57: wenn man einen so grossen Polypen hatte,

00:09:00: dann gibt es eine längere Untersuchung.

00:09:02: Und damit haben sie mehr Schlafmittel gebraucht als das letzte Mal.

00:09:06: Kaspar Truninger zeigt Doris S. die Bilder aus ihrem Darm.

00:09:11: Hier sehen Sie, das ist der grössere von diesen zwei neuen Polypen.

00:09:15: Das ist nachher die Wundfläche,

00:09:17: nachdem die Polypen entfernt sind.

00:09:21: Das sind die Metallklammern, mit denen man das so zugemacht hat.

00:09:26: Bleiben diese jetzt drin?

00:09:28: Die fallen irgendwann mal ab.

00:09:30: Und die kommen automatisch heraus?

00:09:32: Genau. Es macht vielleicht mal Bling in der WC-Schüssel.

00:09:36: Dann ist wieder einer abgefallen.

00:09:38: Um die müssen wir uns nicht kümmern.

00:09:40: Was heisst das für mich?

00:09:42: Zuerst wird das wieder eingeschickt?

00:09:44: Es wird wieder eingeschickt,

00:09:46: wird wieder mit dem Mikroskop komplett alles Gewebe untersucht.

00:09:49: Vom Auge her bin ich sicher, es ist nichts bösartig.

00:09:52: Aber die Konsequenz ist,

00:09:55: weil man noch mal zwei grosse Polypen hatte,

00:09:58: sollte man in einem guten Halbjahr noch mal reinschauen.

00:10:01: Ich gehe davon aus,

00:10:03: dass man nachher auf drei Jahre das Intervall erweitern könnte.

00:10:08: Der Gastroenterologe Kaspar Truninger hat mir erzählt,

00:10:11: dass er schon über 20'000 Darmspiegelungen gemacht hat.

00:10:15: Ich frage ihn darum, was er zu hören bekommt,

00:10:19: wenn er jemandem erzählt, was er arbeitet.

00:10:22: Einerseits im Zusammenhang es ist doch dreckig und stinkt.

00:10:25: Sie sehen diese Bilder, also man sieht 0,0 Stuhl.

00:10:29: Andererseits muss ich sagen, es ist jedes Mal eine Herausforderung,

00:10:33: dass man nichts verpasst.

00:10:35: Wenn man etwas sieht,

00:10:37: dass man das so schön wie möglich ohne Komplikationen entfernen kann,

00:10:40: dann finde ich das immer noch spannend,

00:10:43: nach über 20'000 Darmspiegelungen.

00:10:45: Ich finde, man macht das gerne und es ist jedes Mal wieder eine Herausforderung.

00:10:50: Die Gewebsuntersuchung von Doris S.

00:10:53: hat übrigens ein unverdächtiges Resultat ergeben.

00:10:56: Die Polypen waren gutartig.

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00:11:14: Ein Podcast der Krebsforschung Schweiz.

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